Gründerzeit


Der Begriff Gründerzeit, auch Neorenaissance, bezeichnet einen deutschen Möbel- und Wohnstil des späten 19. Jahrhunderts, der zur kunstgeschichtlichen Epoche des Historismus gezählt wird. Dabei bezieht sich die Wortbildung „Gründer“- Zeit auf die Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871.

 

Der Gründerzeitstil ist durch die Wiederentdeckung der Renaissance geprägt. Das Industriezeitalter hat bereits begonnen; im Allgemeinen überwiegt jedoch noch der handwerkliche Einsatz. Nur stiltypische Ausschmückung, z.B. vorgefertigte Applikationen, Profilleisten, Füße usw. werden schon als Fertigprodukte bezogen. Der Unterschied zwischen Handarbeit und Maschinenarbeit ist kaum feststellbar.

 

Typisch für den Stil ist eine eher geradlinige symmetrische Bauweise und die Nutzung des günstigeren Weichholzes (für das die Materialkunde und das Wissen um den ökonomischen Einsatz weiter entwickelt ist). Dazu kommen Applikationen und Verzierungen aus der Renaissance und Renaissance-Elemente wie kugelartige Füße, Baluster, Muschel- und Giebelformen, Diamantquader, u.v.m.

 

Bei elitären Stücken findet man auch Akanthusranken, Masken, Greifen, Medaillons und Büsten. Dieselben Ausschmückungen finden sich in der Architektur wieder.